Sielhäfen - über Jahrhunderte hinweg Stützpunkte der Seefahrt

Über Jahrhunderte hinweg haben Sielhäfen an der Nordseeküste von Nordfriesland bis zur Zuidersee als Stützpunkte der Watten- und Seeschiffahrt mit Segelschiffen eine bedeutsame Rolle gespielt. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bestanden allein im Gebiet zwischen Ems und Elbe rund 50 solcher Häfen.

Dazu kamen noch viele weitere Häfen an der nordfriesischen und westfriesischen Küste. Mit dem Aufkommen immer größerer Segelschiffe, der Dampfschiffahrt und auch des Eisenbahnverkehrs wurden die Warenströme umgelenkt auf die am tieferen Fahrwasser liegenden Flußmündungshäfen. Damit verloren die Sielhäfen ihre wirtschaftliche Bedeutung. Die heute noch vorhandenen wenigen Sielhäfen sind vorwiegend Punkte für den Waren- und Personentransport zu den Inseln und für die Küstenfischerei.

Als Häfen, Umschlags- und Handelsplätze hatten die Sielhafen einen besonderen, teilweise auch städtisch geprägten Charakter. Dieser Charakter drohte im Zuge der großen Landgewinnungs- und Küstenschutzmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten verlorenzugehen.

Ratsam erschien es, diese Atmosphäre mindestens in einem Sielhafen für die Nachwelt zu erhalten. Hierfür bot sich besonders der Hafenort Carolinensiel an: Carolinensiel war einmal einer der bedeutendsten dieser Häfen. Zudem entsprach der "Alte Hafen Carolinensiel" mit der vorhandenen Bausubstanz noch weitgehend dem Bild früherer Jahrhunderte. An den hintereinander am Lauf der Harle liegenden Sielhafen Carolinensiel, Friedrichsschleuse und Harlesiel läßt sich besonders gut der Fortgang des Deichbaus und der Landgewinnung erkennen. Carolinensiel und Friedrichsschleuse (mit der ehemals holländischen Zugbrücke) haben - obwohl heute praktisch im Binnenland gelegen - über die Harle und die Schleuse im Hafen Harlesiel noch Zugang zum offenen Meer.